Spannungsbogen aufbauen

Juli6

Ein guter Roman ist so spannend geschrieben, dass man ihn kaum aus den Händen legen kann. Wird der Mörder gefasst? Kommen die Liebenden endlich zusammen? Ist die Intrige erfolgreich? Dass wir uns beim Lesen diese Fragen stelle, hat einen Grund: Der Autor des Romans hat es geschafft, einen Spannungsbogen aufzubauen. Wir geben dir fünf Tipps, wie du in deinem eigenen Buch Spannung erzeugst.

1. Plane den Aufbau deiner Geschichte

Wie ein Theaterstück idealtypisch aufgebaut wird, ist seit der französischen Klassik im 17. Jahrhundert bekannt: Auf die Vorstellung der Figuren (Exposition) folgt die erste Spannung im erregenden Moment, die mit der Peripetie schlagartig ihren Höhepunkt erreicht. Anschließend wird der Verlauf der Geschichte noch etwas verzögert (retardierendes Moment), um sich schlussendlich in einer Katastrophe aufzulösen. Diese hat auf den Leser im besten Fall einen heilenden Effekt auf die Leser bzw. Besucher des Theaterstücks(Katharsis).
Vermutlich möchtest du dich nicht an diesem strengen Aufbau orientieren und ein klassisches Drama schreiben. Trotzdem hilft dir die idealtypische Form dabei, den groben Aufbau deines persönlichen Buchs zu planen. Eine gute fiktionale Geschichte lebt nämlich davon, dass du erst in den Konflikt einführst, diesen bis zu einem Höhepunkt steigerst und am Ende auflöst. Gerade wenn du deinen ersten Roman schreibst, kann es dir helfen, wenn du dir Notizen zu den einzelnen Abschnitten machst.

2. Lege einen überzeugenden Grundkonflikt an

Damit die Leser deinen Roman nicht bereits nach kurzer Zeit beiseitelegen, solltest du möglichst früh einen überzeugenden Grundkonflikt anlegen. Anders gesagt: Für den Protagonisten deines Romans muss etwas Bedeutendes auf dem Spiel stehen. Das kann zum Beispiel die Gesundheit seiner Kinder sein, seine Reputation oder auch die Aufklärung eines Mordes. Ein solcher Konflikt kann äußerlich verursacht sein – zum Beispiel wenn der Protagonist einen starken Feind hat, der ihm das Leben schwer macht. Konflikte können aber auch innerer Natur sein: Soll sich die Hauptfigur für die von den Eltern arrangierte Ehe entscheiden oder ihren wahren Gefühlen folgen? Wichtig ist in jedem Fall, dass du deutlich machst, warum dein Protagonist an diesem Konflikt stark verzweifelt und sich in einem scheinbar ausweglosen Dilemma befindet.

3. Zögere Antworten hinaus

Die Spannung deiner Geschichte lebt davon, dass du Antworten hinauszögerst und Fragen nicht vor dem Ende deines Romans beantwortest. Dabei hast du verschiedene Möglichkeiten: Du kannst sowohl deinen Protagonisten und deine Leser im Unklaren über den Ausgang deiner Geschichte lassen. Beide sind gleichermaßen unwissend und können nur darauf hoffen, dass der Held ein glückliches Ende erleben wird. Du kannst jedoch auch dafür sorgen, dass die Haupt- oder Nebenfiguren deines Romans über Wissen verfügen, das du deinen Lesern vorenthältst.
Auch die umgekehrte Strategie ist möglich: In Horrorfilmen passiert es zum Beispiel immer wieder, dass wir genau wissen, dass hinter einer Tür eine schreckliche Gefahr lauert. Die Figur läuft trotzdem zielgenau in ihr Unglück, ohne dass die Zuschauer etwas dagegen unternehmen könnten. Diese Strategie kannst du auch auf dein Buch übertragen, um den Spannungsbogen zu steigern.

4. Überrasche deine Leser

Wie im ersten Abschnitt dargestellt, verfolgen die meisten Geschichten einen eher klassischen Dramen-Aufbau mit einem eindeutigen Höhepunkt. Dieser Aufbau hat sich zwar bewährt, sorgt zuweilen aber auch dafür, dass die Leser bereits ahnen, wie die Geschichte ausgehen wird. Versuche daher bewusst, deine Leser zu überraschen, indem du ein Ende andeutest und die Geschichte dann einen anderen Ausgang nehmen lässt. Deute zum Beispiel immer wieder darauf hin, wer der Täter in deinem Krimi sein könnte und lass dann den scheinbaren Mörder ebenfalls sterben. So finden sich deine Leser urplötzlich wieder im Unklaren und die Geschichte wird noch einmal spannend.

5. Nutze die Sprache zum Spannungsaufbau

Mache dir bewusst, dass deine Sprache den Verlauf des Spannungsbogens unterstützt: In den spannenden Momenten deiner Geschichte erhöhst du das Lesetempo, indem du besonders kurze Sätze schreibst. Das sorgt bei den Lesern für ein Gefühl von Eindringlichkeit und Action. Sie können kaum noch erwarten, was am Ende des Absatzes passiert und überfliegen förmlich deinen Text. Auf den ersten Seiten deines Buchs möchtest du hingegen in die Geschichte einführen und deine Leser mit den Figuren und der Umgebung vertraut machen. Hier kannst du also auf lange Sätze, Satzkonstruktionen und Adjektive zurückgreifen, um den Lesern ein möglichst lebhaftes Bild zu vermitteln. Wichtig ist nur, dass du dich schnell dem Höhepunkt näherst.
Gerade wenn du ein ungeübter Schreiber bist, benötigst du vermutlich einige Zeit, um den perfekten Spannungsbogen für deinen Roman zu finden. Wenn du dich an diesen Tipps orientierst und andere Bücher darauf untersuchst, wirst du feststellen: Einen spannenden Roman zu schreiben, ist einfacher als gedacht!


Geschrieben am von Josephin in Kategorie Ratgeber Fotobuch

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