Storytelling – 10 Tipps zum Schreiben einer spannenden Geschichte

Oktober19

Ob Märchen, Piratengeschichte oder Liebesromanze – jede Geschichte kann toll sein, wenn sie nur packend erzählt und richtig strukturiert ist. Wenn auch du Schreibambitionen hast, können dir die folgenden 10 Tipps dabei helfen, deine selbstverfasste Geschichte interessant zu gestalten.

1. Setze einen Fokus

Eine Geschichte ist eine Folge von Ereignissen. Wenn du die Ereignisse jedoch einfach nur chronologisch aneinander reist, wirkt dein Text wahrscheinlich langweilig und konfus. Spannend wird es, wenn es einen thematischen Fokus gibt, der sich durch den gesamten Text hindurch zieht.

Bevor du also mit dem Schreiben loslegst, solltest du dir über den Kern deiner Geschichte klar werden. Stelle dir die Frage: Was ist das Besondere an der Geschichte (z. B. deine Hauptfigur hat magische Fähigkeiten)? Gibt es ein Thema, dass dich sehr beschäftigt (z. B. Konflikt und Versöhnung unter Freunden)? Oder hast du vielleicht sogar eine Botschaft, die du vermitteln willst (z. B. Geld ist nicht das Wichtigste im Leben)?

Wenn du das Thema oder ein dazu passendes Motiv (z.B. Geld) in deinem Text dann immer wieder aufgreifst, erzeugst du einen roten Faden, dem auch deine Leser gut folgen können.

2. Entwickle interessante Figuren

Eine Weisheit für das Schreiben einer Geschichte besagt: „Das Interessanteste für den Menschen ist der Mensch selbst.“ Gute Texte leben daher von gut konstruierten Figuren: Sie lassen deine Geschichte lebendig wirken.
Daher solltest du zunächst überlegen, welche Figurenkonstellation du wählen möchtest: Gibt es einen Protagonisten und mehrere Nebencharaktere? Oder möchtest du eine ausgeglichene Situation mit vielen gleichwertigen Figuren schaffen? Diese Fragen solltest du für dich klären, bevor du mit dem Schreibprozess beginnst. Damit du selbst klare Vorstellungen von deinen Figuren hast, könntest du als Übung zunächst Charakterisierungen schreiben, in denen du folgende Punkte festhältst:

  • Beschreibe das Äußere der Figur: Welche Kleidung trägt sie? Wie alt ist sie?
  • In welcher Lebenssituation steckt deine Figur aktuell? Handelt es sich um einen jungen Menschen, der gerade Pläne für seine Karriere oder eine Familie schmiedet? Eine Mutter, die um ihr Kind trauert? Oder einen alten Mann, der vom Leben verbittert ist?
  • In welchem sozialen Umfeld lebt deine Figur? Hat sie einen Beruf? Ist sie mit anderen Charakteren deiner Geschichte befreundet? Hier sind auch Details spannend: Hat die Figur bestimmte Urlaubspläne? Mit wem wohnt sie zusammen?

Oft sind Figuren für den Leser dann besonders spannend, wenn sie etwas Außergewöhnliches an sich haben, also z.B. eine bewegte Vergangenheit, ein absurdes Hobby oder einen Tick. Die Figur könnte durch ihre Außergewöhnlichkeit in ihrem sozialen Umfeld anecken. Ein beliebtes Spannungsmittel ist es, der Figur einen großen Traum oder einen starken Willen mit auf den Weg zu geben. Die Figur könnte im Verlauf der Geschichte gegen verschiedene Widerstände kämpfen und für die Verwirklichung ihre Ziele kämpfen. Wenn du diesen Konflikt spannend beschreibst, fiebert der Leser bis zum Ende mit ihr.
In jedem Fall sollte die Hauptfigur im Verlauf des Textes eine innere Entwicklung durchmachen. Dabei solltest du allerdings darauf achten, dass sie bis zum Ende authentisch wirkt. Wenn eine Figur von einem Moment auf den anderen geläutert ist, wirkt die Geschichte unglaubwürdig.

 

3. Lege die Erzählperspektive fest

Es gibt unendlich viele Möglichkeiten, an eine Geschichte heranzugehen. Eine essentielle Entscheidung betrifft dabei die Erzählperspektive: Damit ist die Stimme gemeint, die der Leser in seinem inneren Ohr hört, während er liest.

Klassische Erzählperspektiven sind mitunter folgende:

  • Der Text ist aus der Sicht einer Figur geschrieben. Der Leser taucht also ganz tief in die Gedanken- und Gefühlswelt der Person ein – bleibt in dieser Wahrnehmung jedoch auch gefangen.
  • Der allwissende Erzähler schwebt dagegen über der Handlung: Er weiß alles, kann in alle Figuren hineinschlüpfen und sogar das Geschehen bewerten. Diese Perspektive wird z. B. oft im Märchen verwendet.
  • Der neutrale Erzähler schwebt auch über der Handlung, allerdings ist er dabei sachlich. Er beschreibt nur das, was er wirklich sieht, schlüpft z. B. nicht in die Figuren hinein.
  • Du erzählst aus deiner eigenen Perspektive (z. B. über ein real erlebtes Erlebnis) oder aus der Perspektive einer Figur, berichtest dabei jedoch als „Ich“.

Wähle die Erzählperspektive, die am besten zu deiner Geschichte passt. Wichtig ist dabei lediglich, dass du in deiner Entscheidung konsistent bleibst und die Perspektive nicht in der Mitte der Geschichte plötzlich veränderst.

4. Kreiere einen Konflikt

In jedem spannenden Text gibt es einen oder sogar mehrere Konflikte. Damit ist ein Problem gemeint, mit dem die Figuren konfrontiert werden und das es im Laufe der Handlung zu lösen gilt. Diesem Konflikt ordnen sich alle Ereignisse deines Textes unter. Der Text wird dadurch erst spannend, denn der Leser möchte immer weiterlesen, weil er wissen muss, wie es wohl weiter gehen wird. Der Konflikt ist also das elementare Element, damit deine Geschichte packend bleibt!

Tipp: Den roten Pfaden behalten

Schreibe dir den Konflikt deiner Geschichte als einfachen Satz auf einen Zettel und lege ihn beim Schreiben neben dich auf den Schreibtisch. So behältst du stets im Hinterkopf, ob deine Szenen sich um den Konflikt herum aufbauen – oder ob du gerade abschweifst.

5. Überlege dir einen spannenden Aufbau

Auch über den Aufbau deiner Geschichte solltest du dir schon im Vorfeld des Schreibens Gedanken machen. Der Aufbau ist eng mit dem Konflikt verbunden, denn dieser legt fest, was überhaupt zur Geschichte gehört und was nicht. Spannend wird deine Geschichte dann, wenn du die Ereignisse so aneinander reist, dass sich die Handlung immer mehr zuspitzt.

Schon im alten Griechenland wurden dafür dramaturgische Modelle entwickelt. Das berühmte Drei-Akt-Modell von Aristoteles schlägt folgenden Aufbau vor:

  1. Am Anfang passiert ein Ereignis, das die Normalität stört.
  2. Die Ereignisse spitzen sich daraufhin immer mehr zu und steigern sich in einem Höhepunkt, der eine Wende mit sich bringt.
  3. Im letzten Teil wird die Spannung und Dramatik aufrechterhalten. Der Schluss ergibt sich schließlich logisch aus der Abfolge der Ereignisse.

Auch heute noch ist dieses Modell ein bewährtes Rezept für gute Geschichten. Du musst dich nicht daran halten, aber als Orientierungshilfe kann dir dieses Modell auch für deine Geschichte nützlich sein.

6. Entwickle das Ende zuerst

Das Ende deiner Geschichte ist das, was der Leser als Letztes durchliest und was demnach in seinem Kopf am längsten hängen bleibt. Deshalb solltest du das Ende nicht dem Zufall überlassen und dir schon vor dem Schreiben überlegen, wie deine Geschichte ausgehen soll! Das klingt vielleicht ungewöhnlich, ist es aber keineswegs: Selbst große Romanschreiber entwickeln das Ende ihres Textes zu Beginn und schreiben dann ganz präzise darauf hin.

Achte darauf, dass sich dein Schluss logisch aus der Handlung der Ereignisse ergibt und dass er nicht „aufgesetzt“ wirkt. Geschichten, die damit enden, dass die Hauptfigur aus einem bösen Traum erwacht, sind heutzutage weder raffiniert noch originell.

7. Finde einen packenden Einstieg

Mindestens genauso wichtig wie das Ende ist der Anfang deiner Geschichte. Der schönste Schluss bringt schließlich nichts, wenn der Leser schon nach drei Zeilen beschließt, nicht weiterzulesen.

Bemühe dich also um einen packenden Einstieg in deine Geschichte. Oft ist es mitreißender, sofort mit einem Ereignis zu beginnen, das bereits spannend ist, anstatt erst lange und detailliert einen Ort, eine Figur oder einen Ablauf zu beschreiben.

8. Wähle die richtigen Worte

In welchem Stil schreibst du am besten deine Geschichte? Diese Frage ist gerade für Anfänger schwer zu beantworten. Als Faustregel gilt: Schreibe so, dass der Leser ein Bild vor Augen hat. Er sollte das Gefühl haben, dass er die Figuren in ihrem Alltag begleitet und sieht, was sie machen. Dafür solltest du Szenen möglichst plastisch gestalten und die Orte detailliert beschreiben, an denen sich die Figuren gerade aufhalten: Ist die Wohnung deines Protagonisten unordentlich? Dann schreibe nicht einfach nur „unordentlich“, sondern beschreibe die Unordnung: Liegt eine Socke auf dem Sofa? Muss der Protagonist noch alte Pizzakrümel von seinem Esstisch wegwischen? Kleine Details helfen dem Leser, sich auf die Erzählsituation einzulassen. Wichtig ist allerdings, dass du dich nicht in solchen Details verlierst. Sonst wird deine Geschichte langatmig und der Leser hat das Gefühl, dass kaum etwas passiert.

Abgesehen von dieser Grundregel richtet sich die Wortwahl vor allem nach der Perspektive, aus der du deine Geschichte schreibst. Wenn du aus der Sicht einer deiner Figuren schreibst, sollte sich auch die Sprache nach ihrem sozialen Umfeld richten. Wenn die Figur beispielsweise noch jung ist, könnte die Figur eher in einer Jugendsprache verfasst werden. Handelt es sich hingegen um einen Experten, schaden einige Fachausdrücke nicht. Aber auch hier gilt: Nicht übertreiben! Auch wenn dein Protagonist Arzt ist, solltest sich dein Text nicht wie eine medizinische Abhandlung lesen. Als Übung kannst du dir Texte anderer Autoren durchlesen und darauf achten, was dir gefällt. Einfach ausprobieren ist auch ein guter Tipp! Schreibe deinen Text doch einmal bewusst in unterschiedlichen Stilen. So wirst du schnell merken, was dir liegt und Spaß macht!

9. „Kill your darlings“

Dieser Spruch ist keinesfalls wörtlich zu nehmen, er ist aber durchaus hilfreich, wenn du deine Geschichte fertig geschrieben hast und sie noch einmal durchgehst: Trenne dich von allen Szenen und Beschreibungen, die mit dem Fortgang der Geschichte nichts zu tun haben. Dazu gehören z. B. nichtssagende Dialoge und ausartende Beschreibungen. Das kann manchmal richtig wehtun, gerade wenn du findest, dass du diese Elemente besonders schön geschrieben hast. Aber du wirst schnell merken: Letztendlich gewinnt deine Geschichte als Gesamtheit durch das Weglassen!

10. Gewinne Abstand

Wenn du schließlich fertig bist, gilt es, dir deine Geschichte noch einmal durchzulesen und letzte Verbesserungen anzugehen. Oft ist es dabei hilfreich, die Geschichte ein paar Tage liegen zu lassen, ohne sie dir anzuschauen, denn unmittelbar nach dem Schreiben fehlt dir wahrscheinlich der Abstand, um sinnvoll über Korrekturen urteilen zu können. Schlafe lieber noch ein paar Nächte darüber und setze dich dann mit frischer Energie an deinen Text! Nach ein paar Verbesserungen kannst du dann sicherlich mit Stolz auf deine eigene Geschichte blicken!


Geschrieben am von Josephin in Kategorie Ratgeber Fotobuch

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